Trans Glossar: Die wichtigsten Begriffe zum Thema trans* in meinem Regenbogen-Lexikon

Einleitung

Ich habe dieses Glossar zum Thema Trans, Transidentität oder Transgender, auch liebevoll Regenbogen-Lexikon genannt, nach bestem Wissen und Gewissen geschrieben. Ich möchte Euch damit eine grobe Orientierung über die wichtigsten Begriffe geben, das hat mir am Anfang unseres Weges gefehlt. Das Lexikon ist bei weitem nicht vollständig und wird noch weiter wachsen. Außerdem habe ich mich sehr bemüht, mich korrekt und nicht-diskriminierend auszudrücken. Wenn Euch ein wichtiger Begriff fehlt, Ihr inhaltliche Fehler entdeckt oder ich mich ungünstig ausgedrückt habe, hinterlasst mir bitte einen Kommentar! Dann werde ich das gerne beheben.

Zum allgemeinen Sprachgebrauch möchte ich noch folgendes sagen: Bitte sagt nicht: „er/sie war vorher ein Mann/eine Frau“ oder „er/sie ist eigentlich ein Mann/eine Frau“. Besser ist: „Tina ist eine (Trans*)Frau, bei der Geburt wurde das Geschlecht männlich zugewiesen“ oder „Bernd ist ein (Trans*)Mann, bei der Geburt wurde das Geschlecht weiblich zugewiesen“ oder „Kay ist nichtbinär, bei der Geburt wurde das Geschlecht xy zugewiesen“.

Fragt nach der richtigen Anrede, nach den Pronomen, wenn Ihr unsicher seid. Und wenn es Euch schwer fällt, jemanden mit dem Wunschnamen anzusprechen, dann übt es doch erstmal zuhause, wenn Ihr alleine seid. Das hilft! Und wenn Ihr Euch doch mal versprecht? Kein Problem! Wer sich von Herzen entschuldigt und sich ernsthaft bemüht, es besser zu machen, ist auf dem richtigen Weg. Danke dafür!

Aromatisch

Aromantische Menschen verspüren keine romantische Anziehung und/oder haben kein Interesse an romantischen Beziehungen. Sie verlieben sich also nicht. Aromantische Personen sind nicht unbedingt asexuell.

Asexuell

Asexuelle Menschen verspüren keine sexuelle Anziehung. Sie können trotzdem Liebesbeziehungen eingehen und aus verschiedenen Gründen auch Sex haben.

A-Spektrum, aspec

Asexualität und Aromantik werden oft mit dem Begriff A-Spektrum (englisch: aspec oder ace) zusammen gefasst. Der Begriff „Spektrum“ verdeutlicht, dass es nicht nur zwei definierte Zustände („verspürt sexuelle Anziehung“ und „verspürt keine sexuelle Anziehung“) gibt, sondern auch alle Abstufungen dazwischen.

Binär

In einem binären System gibt es nur zwei Zustände, zum Beispiel an und aus, Null und Eins, oder eben männlich und weiblich. Siehe auch nicht-binär, nb.

Bisexuell

Als bisexuell oder kurz bi bezeichnet werden Menschen, die sich sowohl zu Menschen männlichen als auch weiblichen Geschlechts hingezogen fühlen.

Cis

Cis ist das Gegenstück zu trans* und bedeutet, dass das empfundene Geschlecht mit dem Geburtsgeschlecht übereinstimmt. Cis ist also das, was die Mehrheit der Gesellschaft als „normal“ empfindet.

Dead Name

Trans*Menschen suchen sich häufig einen neuen Namen aus, der besser zu ihrer Identität passt als der Name, der ihnen bei der Geburt gegeben wurde. Den alten Namen bezeichnet man auch als „Dead Name“, das Benutzen des alten Namens nennt man „Dead Naming“.

Das sagt eigentlich schon alles: Der alte Name sollte nicht mehr verwendet werden und es ist für die Betroffenen in der Regel sehr verletzend, wenn dieser absichtlich benutzt wird.

Ergänzungsausweis

Der Ergänzungsausweis der dgti ist (wie der Name schon sagt) ein ergänzender Ausweis zum amtlichen Ausweis. Da das empfundene Geschlecht und die äußere Erscheinung bei Trans*Menschen häufig nicht mit dem amtlichen Eintrag im Ausweis übereinstimmt, kann der Ergänzungsausweis mit dem Wahlnamen, dem Wahlpronomen und dem passenderen Geschlechtseintrag sehr hilfreich sein. Mit dem Ergänzungsausweis ist es oft möglich, Bankkarten, die Krankenversicherungskarte, Bustickets, etc. auf den Wunschnamen auszustellen.

Fremdouting

Wenn jemand gegen seinen/ihren Willen geoutet wird, spricht man von Fremdouting. Das kann passieren, wenn eine Person sich noch nicht öffentlich als trans* geoutet hat, oder wenn eine Person in der Wunschidentität lebt und niemand oder nur wenige wissen, dass sie trans* ist. Zum Fremdouting kann es kommen, wenn jemand absichtlich oder unabsichtlich eine Bemerkung macht, den falschen Namen oder falsche Pronomen benutzt. Auch wenn z. B. im Wartezimmer mit dem Deadname aufgerufen wird, der Deadname auf dem Schulzeugnis steht, usw. kommt es zum Fremdouting. Das kann für die Person dramatische Folgen haben: Es gibt Trans*Kinder, die gehen schon mit dem Wahlnamen und als das empfundene Geschlecht in den Kindergarten, und das weiß dann oft fast niemand!

FTM / FZM

Female to Male, auch Frau zu Mann; also ein Mensch, der sich als männlich identifiziert, dem aber bei der Geburt das Geschlecht weiblich zugewiesen wurde. Siehe auch Trans-Junge/Mann.

Genderfluid

Bei genderfluiden Menschen ändert sich das Geschlechtsempfinden über einen Zeitraum oder in bestimmten Situationen.

Geschlechtsangleichende Operationen (GaOP)

Manche Trans*Menschen möchten ihren Körper teilweise oder ganz durch operative Eingriffe an die eigene Geschlechtsidentität anpassen. Dazu gehört z. B. Brustaufbau oder Amputation, Penoidaufbau, oder Aufbau einer Neovagina.

Geschlechts-Dysphorie

So nennt man den individuellen Leidensdruck, der dadurch enststeht, dass das empfundene Geschlecht mit dem zugewiesenen Geschlecht und der Körpergestalt nicht übereinstimmt.

Heterosexuell

Wenn ein Mensch sich romantisch und sexuell überwiegend zu Menschen des anderen Geschlechts hingezogen fühlt, spricht man von Heterosexualität.

Hilfsmittel

Als Hilfsmittel wird alles bezeichnet, was bei der betroffenen Person zu einem guten Passing (siehe Passing) führt. Dazu zählen Kleidung, Frisur, Make Up, Schmuck, Binder (drückt die Brust flach), Packer (Penis-Prothesen), Brust-Prothesen, usw.

Homosexuell

Wenn ein Mensch sich romantisch und sexuell überwiegend zu Menschen des gleichen Geschlechts hingezogen fühlt, spricht man von Homosexualität. Manche Menschen benutzen den Begriff nicht gerne, da es bei der gleichgeschlechtlichen Liebe ja nicht nur um Sexualität geht.

Hormonblocker

Die Gabe von Hormonblockern kann den Beginn der Pubertät unterbinden bzw. verschieben, solange die Gabe erfolgt. Das kann sehr hilfreich sein, um unumkehrbare Veränderungen des relativ neutralen kindlichen Körpers aufzuschieben oder aufzuhalten. Werden die Hormonblocker abgesetzt, so wird die Pubertät durchlaufen.

Hormontherapie / HET / HRT

Bezeichnet die Gabe gegengeschlechtlicher Hormone. Die Einnahme führt zu vielen erwünschten Veränderungen (Wachstum der weiblichen Brust, Fettumverteilung, Stimmbruch, Zunahme der Muskelmasse, Wuchs von Gesichts- und Körperbehaarung). Manche dieser Veränderungen sind nicht reversibel, also nicht umkehrbar durch Absetzen der Hormone.

Intersexuell

Als intersexuell, intergeschlechtlich oder kurz inter bezeichnen sich Menschen, die aus medizinischer Sicht nicht eindeutig als männlich oder weiblich zugeordnet werden können.

Lesbisch

Als lesbisch bezeichnen sich Mädchen und Frauen, die sich romantisch und sexuell (überwiegend) zum gleichen Geschlecht hingezogen fühlen.

LGBTIQ*

Aus dem Englischen: lesbian, gay, bi, trans, inter, queer. Siehe LSBPATINQ+

LSBPATINQ+

Abkürzung für lesbisch, schwul, bi, pan, a, trans, inter, nichtbinär, queer. Das Plus oder das Sternchen steht für alle, die sich hier verorten, aber nicht explizit aufgezählt werden.

Misgendern

So nennt man das absichtliche oder unabsichtliche Benutzen von falschen Pronomen (er/sie) und Anreden (Herr/Frau, Sohn/Tochter, …).

MTF / MZF

Male to Female, auch Mann zu Frau; also ein Mensch, der sich als weiblich identifiziert, dem aber bei der Geburt das Geschlecht männlich zugewiesen wurde. Siehe auch Trans-Mädchen/Frau.

Nicht-binär, non binary, nb

Nicht-binäre Menschen empfinden sich selbst nicht vollständig als männlich oder weiblich, oder verorten sich ganz außerhalb der Geschlechter männlich und weiblich. Auch non binary oder nb.

Outing, äußeres

Wenn ein Mensch über seine/ihre Geschlechterzugehörigkeit oder sexuelle Orientierung spricht, geht dem in der Regel ein längerer, innerer Prozess voraus (siehe inneres Outing). Wenn die Person dies dann äußert, also nach Außen trägt, spricht man von Outing. Dies findet häufig zunächst in sehr kleinem Kreis statt. Das können Freund*innen, Familienangehörige, oder auch Lehrkräfte sein. Wenn sich also jemand outet ist es wichtig zu fragen, wer davon weiß und ob man darüber reden darf (s. Fremdouting). Gegebenenfalls ist es auch wichtig zu fragen, wie die Person im vertrauten Kreis angesprochen werden möchte und wie in der Öffentlichkeit.

Outing, inneres

Bevor sich Trans*Menschen anderen mitteilen, findet meist ein längerer, innerer Prozess statt, bis die Person selbst erkennt: Ich bin trans*. Dieser Prozess wird häufig von Zweifeln, Sorgen und Ängsten begleitet. Es kann dann passieren, dass die Person zunächst überkompensiert, dass also z. B. Mädchen versuchen, durch ihren Kleidungsstil etc. besonders weiblich zu wirken, und umgekehrt. Deshalb kann das äußere Outing manchmal etwas überraschend kommen für die Angehörigen.

Pansexuell

Pansexuelle Menschen fühlen sowohl romantisch als auch sexuell zu Menschen jeden Geschlechts hingezogen. Das Geschlecht spielt also keine Rolle, nur die Person ist ausschlaggebend.

Passing

Von Passing spricht man, wenn eine binäre Trans*Person in der Öffentlichkeit/Gesellschaft als dem empfundenen Geschlecht zugehörig gelesen wird, wenn also z. B. ein Trans*Junge (zugewiesenes Geschlecht bei der Geburt weiblich) als Junge/Mann gelesen wird.

Polysexuell / Polyamourös

Als polysexuell bezeichnen sich Menschen, die sich sexuell zu mehreren Menschen hingezogen fühlen. Als polyamourös bezeichnen sich Menschen, die sich romantisch zu mehreren Menschen hingezogen fühlen.

Pronomen

Haben wir alle schon mal im Deutschunterricht gehört. 🙂 Das korrekte Pronomen für eine weibliche Person ist „sie“, für eine männliche Person „er“. Binäre Trans-Menschen benutzen meist das Pronomen, das zu ihrer Identität passt: also ein Trans-Mann „er“ und eine Trans-Frau „sie“.

Nicht-binäre Trans-Menschen benutzen unterschiedliche Pronomen: keins, beide, die neutrale Mehrzahl aus dem Englischen „they/them“, oder Neopronomen (also neue Pronomen) wie „sier“, „xier“, oder „dey“.

Manchmal ist eine Anrede als Herr/Frau nicht erwünscht, dann kann man einfach den Vornamen benutzen: „Guten Tag Melanie Schmitt, wie geht es Ihnen?“

Es ist immer sinnvoll, sich mit Pronomen vorzustellen und danach zu fragen, wie jemand angesprochen werden möchte: Man kann einem Menschen das Geschlecht nicht ansehen! (auch wenn wir das gerne glauben)

Queer

Unter „queer“ sind alle Menschen aus den erwähnten Gruppen zusammengefasst, die sich nicht zuordnen wollen oder können. Also: lesbisch + schwul + bi + pan + a*Spektrum + trans + inter + nichtbinär = QUEER

Rosa-Hellblau-Falle®

In unserer Gesellschaft werden viele Dinge den Geschlechtern und den Geschlechterrollen zugeordnet. Auch viele Eigenschaften oder Fähigkeiten werden als typisch weiblich/männlich einsortiert. Diese Stereotypen engen uns ein und hindern uns alle daran, uns zu entfalten. Vor allem Kinder, die erst einmal sehr frei sind, werden häufig (auch unbewußt) in eine bestimmte Richtung gelenkt.

Kleidung ist für alle da! Farben sind für alle da! Berufe sind für alle da!

Wenn Ihr also hört oder lest: Typisch Mädchen/Frau, typisch Junge/Mann, das ist nichts für Mädchen/Frauen und das ist nichts für Jungen/Männer, dann fragt Euch: Ist das wirklich so?

Rosa-Hellblau-Falle® ist ein eingetragener Markenname. Mehr dazu findet Ihr hier.

Schwul

Als schwul bezeichnen sich Jungen und Männer, die sich romantisch und sexuell zum gleichen Geschlecht hingezogen fühlen.

trans*

Menschen, bei denen das bei der Geburt zugewiesene Geschlecht nicht mit dem empfundenen Geschlecht übereinstimmt, bezeichnet man als trans*. Viele nicht-binäre Menschen bezeichnen sich ebenfalls als trans*, da ihr empfundenes Geschlecht nicht mit dem bei der Geburt zugeordneten Geschlecht übereinstimmt. Deshalb wird auch das Sternchen benutzt: Es soll alle einschließen, die sich irgendwo in dem Trans*-Spektrum verorten. Manchmal werden auch Bezeichnungen wie transident, transgender und transsexuell verwendet.

Transgender

siehe Trans*

Transident

siehe Trans*

Trans*-Junge/Mann

Der Person wurde bei der Geburt das Geschlecht weiblich zugewiesen, sie definiert sich jedoch selbst als männlich und ist damit ein Junge/Mann. Siehe auch FTM / FZM.

Trans*-Mädchen/Frau

Der Person wurde bei der Geburt das Geschlecht männlich zugewiesen, sie definiert sich jedoch selbst als weiblich und ist damit ein Mädchen/eine Frau. Siehe auch MTF / MZF.

Transsexuell

Transsexuell wird von vielen Personen als unpassend wahrgenommen, da sich das Trans-Sein nicht auf die Sexualität bezieht. Es leitet sich vom englischen „transsexual“ ab, doch im Gegensatz zum Deutschen steht im Englischen „sex“ für das körperliche Geschlecht.

Transsexuellengesetz (TSG)

Das Gesetz soll Menschen die Möglichkeit geben, ihre juristische Geschlechterrolle der empfundenen Geschlechtsidentität anzupassen. Es stammt aus dem Jahr 1980 und viele Menschen wünschen sich, dass es durch ein zeitgemäßes Selbstbestimmungsgesetz abgelöst wird.

Trans*Weg, Transition

Der Trans*Weg ist eine Art „Lebenslauf“ und beschreibt die Transition, also die Veränderung hin zur Wunschidentität. Jeder Trans*Weg ist individuell! Manche Menschen gehen alle Schritte (Hormonersatztherapie, Vornamen/Personenstandsänderung, geschlechtsangleichende Operationen), andere ändern nur ihren Namen und Personenstand, manche ändern nur den Namen und das Pronomen, aber nicht offiziell, wieder andere möchten nur die eine Operation, aber die andere nicht. Kein Weg ist richtig oder falsch und niemand ist mehr oder weniger trans*, weil er oder sie dieses oder jenes nicht macht. 

Vornamen- und Personenstandsänderung VÄ/PÄ

Nach dem Transsexuellengesetz (TSG) von 1980 kann der Vorname und die Geschlechtszugehörigkeit durch einen Antrag beim zuständigen Amtsgericht geändert werden. Dafür muss die Person seit mindestens drei Jahren empfinden, dass das bei der Geburt zugewiesene Geschlecht nicht (mehr) mit dem empfundenen Geschlecht übereinstimmt. Dies muss durch zwei Gutachten bestätigt werden. Die Kosten hierfür trägt der Antragstellende.

Der Personenstand kann in männlich, weiblich oder divers geändert oder ganz gestrichen werden. Nach einer erfolgten VÄ/PÄ hat der Mensch einen Anspruch darauf, dass alle Dokumente wie z.B. Geburtsurkunde, Zeugnisse, usw. geändert werden!

Vorhandene Ehen bleiben bestehen, geschlechtsangleichende Operationen sind keine Bedingung. (Anm.: Das war früher anders!)

 

Das hat Dir gefallen? Dann abonniere meinen Newsletter!

 

Hier noch ein paar Links:

ein ausführliches Lexikon findest Du hier.

Transsexuellengesetz

Vornamens- und Personenstandsänderung 1

Vornamens- und Personenstandsänderung 2

Vornames- und Personenstandsänderung 3

6 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.