Zeit für mich – die kleine Auszeit

Aussicht durch Baumlücke auf Pferde und Weiden
Neue Perspektive: so sieht es bei uns von oben gesehen aus

Eigentlich wollte ich meinen Monatsrückblick schreiben, doch es kam anders. 🙂

„Zeit für mich“ oder, moderner ausgedrückt, „me time“, ist eigentlich selbsterklärend: Tu, was Dir gut tut; in Ruhe einen Tee trinken, ein Bad nehmen, meditieren, Yoga machen, ein Buch lesen. Wichtig finde ich, dass Du dabei Deine eigenen Bedürfnisse wahrnimmst und im Fokus hast. Das geht meistens besser, wenn Du Ruhe hast und nicht abgelenkt bist.

„Zeit für mich“. Ist das egoistisch? Ich finde nicht! Nur, wenn ich gut für mich selber sorge kann ich auch gut für meine Lieben sorgen. Natürlich ist es wichtig, ein Gleichgewicht zu finden und „Zeit für mich“ sollte nicht als Ausrede für alles herhalten.

Ich persönlich halte es für sehr sinnvoll, Routinen zu entwickeln, die mir helfen zu entspannen, mich zu erden, die Akkus aufzuladen und den Alltag zu bewältigen. Das kann zum Beispiel eine Morgenroutine sein, die ich in kleinen Schritten aufgebaut habe. Dadurch, dass es eine Regelmäßigkeit gibt, fällt es mir leichter, etwas in den Alltag zu integrieren und auch wirklich umzusetzen oder durchzuführen.

Abseits von den Routinen kann „Zeit für mich“ auch mal spontan zu einer Auszeit und einem Perspektivenwechsel führen…. 🙂 Für mich ist dieser spontane Ausflug so eine wundervolle, stärkende und inspirierende Erfahrung, dass ich es gerne mit Euch teilen möchte. Hört auf Eure innere Stimme, auf Euer Bauchgefühl! Eine schöne Erfahrung oder gute Erholung muss nicht mit einer großen Reise, einer wilden Action oder sonst was Aufwändigem verbunden sein.

(Kl)eine Auszeit: ein Waldspaziergang

2. Oktober: Ein paar wirklich voll gepackte Wochen liegen hinter mir und ich schaue voller Vorfreude auf den vor mir liegenden Urlaub: Familienfreizeit auf Baltrum! Den hab ich dringend nötig, doch noch ist es nicht so weit.

An diesem Samstag ist die restliche Familie ausgeflogen, und ich habe bis mittags im Bioladen gearbeitet. Mir wird klar: Ich brauche Zeit für mich! Runterfahren, abschalten, erholen, den Kopf frei kriegen. Ich bin sehr dankbar, dass ich das inzwischen recht bald merke, und nicht erst, wenn es eigentlich schon viel zu spät ist! Also, der Plan: noch ein paar Dinge zuhause erledigen und dann raus in den Wald, der fängt ja gleich hinter dem Haus an. Kurz meldet sich mein schlechtes Gewissen: Ich könnte ein Pferd mitnehmen, dann wäre das auch gleich bewegt! Oder eine Freundin fragen, dann könnten wir ein bisschen quatschen! Ich entscheide mich gegen beides. Mein Gefühl sagt mir, dass es mir selbst diese eigentlich schönen Dinge gerade zu viel sind, ich wäre wieder mit meiner Wahrnehmung im Außen, bei den Ansprüchen anderer, das ist gerade nicht das, was ich brauche. Hui, denke ich, ich habe aber gerade einen Lauf im „Auf-mich-selber-hören“. Das verbuche ich als Erfolg und ziehe alleine los, mal eben eine kleine Runde durch den Wald, das kann ich mir ja gönnen.

Perspektivenwechsel

Ich werde direkt anfangs mit einem schönen Ausblick belohnt: Durch eine Lücke zwischen den Bäumen habe ich freie Sicht auf die Weiden und die Pferde. Den Weg bin ich schon oft mit Pferden und Kindern gegangen, aber diesen Ausblick so wahrzunehmen, dafür hatte ich dann keine Zeit oder keine Ruhe. Perspektivenwechsel, denke ich, einfach die Dinge mal anders sehen. Das wird das Motto des Spaziergangs. An der nächsten Kreuzung entscheide ich mich für die größere Runde, eine gute Wahl, wie sich heraus stellt. Ich nehme die Sache mit dem Perspektivenwechsel wörtlich und lege mich einfach mal ein paar Minuten ins Gras. Es ist relativ warm und es ist… einfach unbeschreiblich schön.

Aussicht in die Baumwipfel
Perspektivenwechsel: Auf dem Boden liegend genieße ich den Blick in die Baumkronen und den Himmel

Beschwingt ziehe ich weiter meines Weges und entscheide mich bei der nächsten Möglichkeit für die noch größere Runde. Ich schnaufe den Berg hoch (ach ja, mehr Sport treiben wäre gut!) und merke, wie intensiv ich alles wahrnehme: meine Gedanken, die Luft, den Wind. Ich sehe wunderschöne, kleine Trampelpfade, die mir vorher noch nie aufgefallen sind: Perspektivenwechsel. Ein Stück weiter ist es erstmal vorbei mit Wald: hier sind alle Bäume dem Borkenkäfer zum Opfer gefallen und wurden gefällt. Das ist ein trauriges Zeugnis dessen, was wir Menschen mit unserem Planeten anstellen und ein Vorbote von dem, was uns noch bevorsteht. Aber wie auch sonst alles im Leben steckt auch hier etwas Gutes drin: wo ich vorher sprichwörtlich den Wald vor lauter Bäume nicht sehen konnte gibt es nun fantastische Aussichten. Perspektivenwechsel also auch hier.

Aussicht über eine Kahlschlagfäche mit Baumstumpf im Vordergrund
Der perfekte Platz zum Inne halten

Ankommen: Sie haben Ihr Ziel erreicht!

Als ich wieder zuhause bin stelle ich fest: aus den angedachten 20 Minuten sind also fast zwei Stunden geworden. Ich fühle mich wieder bei mir angekommen, bin entspannt und gut gelaunt, körperliche Anstrengung hat auch immer etwas Befreiendes, finde ich. Außerdem bin ich stolz darauf, dass ich mich an der frischen Luft bewegt habe, was ich heute alles geschafft habe, dass ich gelernt habe, auf meine innere Stimme zu hören (nicht immer, aber immer öfter) und merke, was mir gut tut und was nicht. Also nehme ich mir vor, bewusster Pausen einzubauen: 20 Minuten lesen, spazieren gehen, in der Sonne sitzen, Tee trinken,…. Perspektivenwechsel. Danach kann ich mit mehr Energie und ausgeglichener weiter machen.

JUnge Birken zeichnen sich gegen den Himmel ab
Die Birke, mein Lieblingsbaum. Schlank und biegsam steht sie da, ihre Blätter rascheln im Wind.

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